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Auf dieser Seite erhalten Sie alle wichtigen Informationen zum Buch Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur.
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 Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

  Daten und Links

  Inhalt

Der Universalgelehrte und Naturforscher Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769, einen Monat nach Napoleon Bonaparte, als Sohn einer preußischen Adelsfamilie geboren. Sein Bruder Wilhelm wurde später als Gründer der nach ihm benannten Berliner Universität bekannt. Alexander von Humboldt erhielt eine klassische Bildung, entdeckte aber schon früh sein Interesse an der Natur. Inspiriert wurde er von James Cook, mit dessen Kollege Georg Forster er seine erste Reise nach England unternahm. Zunächst arbeitete er jedoch als Assessor der Bergakademie Freiberg. In dieser Funktion untersuchte er das Gestein und die Pflanzen ebenso wie die Arbeitsbedingungen. Sein Interesse richtete sich außerdem auf Galvanismus und Experimente mit Elektrizität.
1794 besuchte er seinen Bruder und dessen Frau Caroline in Jena. Dort traf er auch den berühmten Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe, mit dem er viele interessante Gespräche führte. „Man könnte in acht Tagen nicht aus den Büchern herauslesen, was er einem in einer Stunde vorträgt“, sagte Goethe, der die Zeit des Sturm und Drang hinter sich gelassen hatte und mehr wissenschaftliches Interesse, u.a. an Pflanzen, hatte, über seinen neuen Freund. Die beiden Männer sprachen über das Verhältnis von Urform und Umwelt, innerer und äußerer Kraft, was sich auch im Konflikt zwischen Rationalisten und Empiristen zeigte. Ein lebender Organismus lässt sich nicht wie eine Maschine auseinander- und zusammenbauen. Der Philosoph Immanuel Kant hatte schon die Idee, dass Fakten sich zu Erkenntnis zusammenfügen. Für Humboldt war die Subjektivität als emotionale Reaktion auf die empirischen Daten wichtig. Goethe brachte Kunst und Wissenschaft zusammen und Humboldt wollte wie der Dramenheld Faust wissen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
1796 starb Humboldts Mutter und er erbte 100.000 Taler. Mit dem Geld finanzierte er in den folgenden Jahren seine Expeditionen. Zur Vorbereitung sammelte er Wissen und wissenschaftliche Instrumente. Er kletterte auch in den Alpen. Napoleons Kriege schränkten seinen Handlungsspielraum allerdings ein. Als er seinen Bruder in Paris besuchte, lernte er seinen Reisegefährten Aimé Bonpland kennen. 1799 erhielt er schließlich vom spanischen König einen Pass für Südamerika, was für Ausländer damals eine ganz besondere Ausnahme war. Auf Teneriffa legte er einen Zwischenhalt ein und bestieg dort den Pico del Teide. Am 16. Juli kam das Schiff in Cumaná (heute Venezuela) an.
Humboldt verglich seine Eindrücke in Südamerika gleich mit seinen Erfahrungen aus Europa. In Cumaná sah er einen Sklavenmarkt und entwickelte eine klare Ablehnung dieser menschlichen Ausbeutung. Mit Bonpland zog er über Caracas weiter durchs Land. Der Diener José wurde Teil der Reisegruppe. Humboldt suchte dabei den Rio Casiquiare als Verbindung zwischen den großen Flüssen Amazonas und Orinoco. Am Valenciasee erkannte er, dass durch die Zerstörung des Waldes der Wasserstand sank und dass der Wald sowohl Wasser speichert als auch die Umgebung kühlt. Damit sprach Humboldt die erste Warnung vor dem menschengemachten Klimawandel aus.
Humboldt zog weiter durch die heiße Ebene Llanos und führte elektrische Experimente mit Zitteraalen durch. Auf dem Río Apure fuhr die Gruppe zum Orinoco. Im Dschungel wurden die Forscher mit unzähligen Pflanzen und Tiere, aber auch mit Curare-Gift konfrontiert. Humboldt sah, wie die Tiere gegeneinander ums Überleben kämpfte und nahm einige Exemplare von ihnen und vor allen von den Pflanzen mit. Er war außerdem von den indigenen Völkern beeindruckt. Seine Gefühle fasste er so zusammen: „Was zu unserem Gemüte spricht, entzieht sich der Messung.“ Im Juni 1800 kamen die Reisenden nach 75 Tagen und 2200 Kilometern Bootsfahrt in Angostura an. Humboldt entdeckte eine Palme als Beispiel für eine Schlüsselart („wohltätiger Lebensbaum“).
Zum Jahreswechsel 1800/01 kamen Humboldt und seine Gefährten nach Kuba. Von dort schickte der Entdecker einen Teil seiner Sammlung nach Europa, u.a. an seinen Kollegen Joseph Banks. Im März ging es weiter nach Cartagena in Neugranada (heute Kolumbien). In Bogotá traf sich Humboldt mit dem Botaniker José Mutis. Im Herbst begann dann der beschwerliche Weg über die Anden. Im Januar 1802 erreichte Humboldt Quito. Dort erfuhr er, dass Kapitän Baudin nicht kam und die geplante Reise nach Lima scheiterte. Er nutzte die Zeit, um sich mit den Vulkanen zu beschäftigen. Damals gab es einen Streit zwischen Neptunisten, die glaubten, die Erde werde durch Wasser geformt, und Vulkanisten. Carlos Montúfar wurde der neue Gefährte Humboldts, der selbst nie verheiratet war und wohl auch keine intimen Beziehungen zu Frauen hatte.
Im Juni 1802 bestieg Humboldt den Chimborazo, der mit 6300 Metern damals als der höchste Berg der Welt galt. Knapp 400 Meter unter dem Gipfel endete der Weg an einer Gletscherspalte. Dennoch wurde das Erlebnis prägend für Humboldts Forschung. Er erkannte, dass die Natur wie ein Netz des Lebens „durch tausend Fäden“ verbunden ist. Er verglich die Vegetation des Chimborazo mit anderen ihm bekannten Bergen. Daraus entstand sein berühmtes „Naturgemälde“. Auf der weiteren Reise zeigte er auch Interesse an den Inka und er entdeckte den magnetischen Äquator. Ende 1802 ging es weiter von Lima nach Guayaquil und Humboldt untersuchte den später nach ihm benannten Humboldtstrom. Im Januar 1803 brach der Cotopaxi aus, doch Humboldt hatte keine Zeit dafür.
Ab 1803 verbrachte Humboldt ein Jahr in Mexiko. Im Juni 1804 kam er in die noch jungen Vereinigten Staaten und traf den US-Präsidenten Thomas Jefferson. Dieser sah sich eher als Gärtner und weniger als Politiker, denn den Schwerpunkt legte er auf den Agrarstaat und die individuelle Freiheit. Humboldt lieferte dem Präsidenten wertvolle Informationen über Mexiko, kritisierte aber auch Ausbeutung, Kolonialismus, Monokulturen (cash crops) und Umweltzerstörung. Beim Thema Sklaverei waren sich die beiden Männer nicht einig.
Im August 1804 kehrte Humboldt in ein verändertes Paris zurück. Er brachte tausende Pflanzenproben mit, von denen viele für die Europäer neu waren. An der Académie des sciences lernte er Joseph Louis Gay-Lussac. Er war in dieser Zeit wissenschaftlich sehr aktiv. Humboldt begegnete dem noch jungen Simón Bolívar und beide wünschten sich die Befreiung Südamerika von der spanischen Herrschaft. Caroline war gerade in Paris und sorgte sich um Humboldt, der schon viel Geld ausgegeben hatte. Humboldt selbst plante zu der Zeit mehrere große Bücher. Im Frühjahr 1805 reiste er nach Rom, wo Wilhelm und Caroline lebten, und im August sah er den Ausbruch des Vesuv.
Über Italien und die Alpen kam Humboldt nach Berlin. König Friedrich Wilhelm III. ernannte ihn zum Kammerherrn und gab ihm 2.500 Taler monatlich. Dem Forscher war die Situation unangenehm, aber das Geld wichtig. Im Frühjahr 1806 kritisierte er die langsame Arbeit seines Kollegen Bonpland. Selbst veröffentlichte er sein Buch Ideen zu einer Geographie der Pflanzen, das das „Naturgemälde“ als Kupferstich enthielt. Beziehungen zwischen Pflanzen, Klima und Geografie hielt er für wichtiger als die Taxonomie. Anhand seiner Arbeit erkannte er auch, dass es früher mal eine Verbindung zwischen Südamerika und Afrika gab. Die neue Subjektivität basierte auf Friedrich Schellings Naturphilosophie. Es gab auch gegenseitiges Lob von und für Goethe. Während Preußen politische Macht und Bildungszentren verlor, veröffentlichte Humboldt eines seiner bekanntesten Werke. In Ansichten der Natur vermittelte er Eindrücke seiner Südamerika-Expedition in lebhafter Sprache. Er beschrieb, wie die Natur das Innere des Menschen beeinflusst, und lieferte verführerische Naturbeschreibungen. Ende 1807 ging er mit Prinz Wilhelm, dem Bruder des Königs, nach Paris und blieb dort.
Im Januar 1810 erschien der erste Teil seines opulenten, mit vielen Bilder ausgestatteten Werks Vues des Cordillères. François Arago wurde sein neuer Freund. Alexander von Humboldt musste sich von seinem Bruder vorwerfen lassen, unpatriotisch zu sein, und Napoleon misstraute ihm auch. Er war jedoch in Salons umschwärmt und er redete ebenso viel wie schnell. Die Jahre waren gerade mit der Völkerschlacht und Waterloo politisch sehr unruhig.
Simón Bolívar wurde von Humboldt inspiriert und benutzte Naturbilder bei seinen revolutionären Bestrebungen in Südamerika. Die spanischen Kolonien waren damals in vier Vizekönigreiche aufgeteilt. Die Revolution gestaltete sich schwierig. So wurde Venezuela beispielsweise im Sommer 1811 für unabhängig erklärt, aber nach einem Erdbeben 1812 von den Spaniern zurückerobert. Auch Neugranada war heftig umkämpft. Bolívar und der besorgte US-Präsident Jefferson interessierten sich beide für Humboldts zwischen 1808 und 1811 veröffentlichtes Werk Versuch über den politischen Zustand des Königreichs Neuspanien. Humboldt beklagte sich darin über Kolonialismus und Sklaverei und Bolívar erklärte die Sklaven für frei. Er kämpfte weiter und Ende 1819 entstand die neue Republik Großkolumbien. 1822 schrieb der Revolutionär das Werk Mein Traumgedicht auf dem Chimborazo und nahm den Vulkan als Symbol. Humboldt wehrte sich gegen Buffons Theorie der Degeneration Amerikas.
Er wünscht sich eine weitere Expedition nach Indien und zum Himalaja. In London, wo er mit Arago unterwegs war, erhielt er jedoch keine Erlaubnis der britischen Ostindien-Kompanie. Er zeigte Interesse an Herschels Theorie des sich entwickelnden Universums und besuchte die Royal Society. Ab 1814 erschien sein Werk Reise in die Aequinoctial-Gegenden, in der englischen Übersetzung als Personal Narrative bekannt. Die Südamerika-Berichte beeinflussten auch Schriftsteller, u.a. die Wanderdichter Wordsworth und Coleridge. Die Romantiker übernahmen die Vorstellung von Natur als lebendigem Organismus.
1818 fühlte Humboldt sich nach einem weiteren Besuch in London bezüglich seiner Indien-Pläne sicher und im Oktober sagte Friedrich Wilhelm III. bei einem Kongress in Aachen Geld zu. Das Erbe war zu der Zeit durch die Südamerika-Expedition und die zahlreichen Veröffentlichungen aufgebraucht. Doch Humboldt spürte eine Rastlosigkeit, die als „maladie centrifuge“. Er begegnete Charles Lyell, der Principles of Geology schrieb. Er erfand die Isothermen und sah geologische Veränderung als Ursache für Klimaänderungen. Er unterstütze auch viele junge Wissenschaftler. Die Ultraroyalisten erschwerten seine Forschung in Paris und der preußische König erhöhte den Druck, sodass Humboldt im April 1827 Paris verließ. Er ging erst nach London, wo er mit Marc Brunel mit einer Taucherglocke in die Themse abtauchte.
Im Mai war er zurück in Berlin und fühlte sich von Politik und gescheiterten Revolutionen enttäuscht. Im November begann er eine Vortragsreihe an der Universität. Viele Querverbindungen in seinen Notizen und das Konzept, Gruppen von Wissenschaftlern zusammenzubringen, verdeutlichten seine Denkweise. Wieder besuchte er Goethe. Sein Bruder Wilhelm untersuchte Zusammenhänge bei Sprachen wie Alexander in der Natur. Da der russische Finanzminister Cancrin Informationen über Platin wünschte, spendierte Zar Nikolaj I. für Humboldt eine Expedition nach Russland.
1829 war Humboldt mit großem Gefolge in Pferdekutschen auf dem Weg Richtung Sibirien, immer überwacht von den Russen. Durch sein wissenschaftliches Vorgehen fand er zur Überraschung seiner Begleiter Diamanten. Ende Juli erreichte er in Tobolsk den östlichsten Punkt seiner geplanten Route. Da er jedoch zum Altai reisen wollte, verlängerte er die Route eigenmächtig. Der Weg führte durch eine Steppe mit Milzbrand-Epidemie über den Ob ins Gebirge, wo Humboldt viele neue Proben und Daten sammelte. An der chinesischen Grenze entlang ging es zum Kaspischen Meer, wo er nach Konflikten im Oktober Zugang erhielt. Im November war er nach 15.000 Kilometern zurück in St. Petersburg. Er hielt einen Vortrag über Geomagnetismus und regte erfolgreich ein weltweites Netzwerk von Messstationen an. Nach seiner Rückkehr nach Berlin veröffentlichte er zwei Bücher über die Russland-Expedition.
Charles Darwin war ab Dezember 1831 auf der HMS Beagle unterwegs und hatte Humboldts Personal Narrative und Lyells Principles of Geology im Gepäck. Von Südamerika zeigte er sich mit den Schilderungen des deutschen Kollegen beeindruckt und eiferte ihm auch im Schreibstil nach. Er reiste auch nach Galapagos, Tahiti und Australien. Im Oktober 1836 war er zurück in England. 1839 erschien das dazugehörige Buch Voyage of the Beagle, von dem sich Humboldt begeistert war. Anhand der Finken von Galapagos erforschte Darwin die veränderliche Arten, was zu Ausführungen über natürliche Selektion und letztlich der berühmten Evolutionstheorie führte. Erst 1859 erschien allerdings Über die Entstehung der Arten.
1834 begann Humboldt mit der Arbeit an seinem Hauptwerk Kosmos, worin er die „ganze materielle Welt“ zusammenfassen wollte und gegen die Zersplitterung der Wissenschaft vorging. Helfer trugen Informationen zusammen, die in Kästen sortiert wurden, und Humboldt besuchte auch Vorlesungen. Nach dem Tod seines Bruders Wilhelm musste Humboldt dem König mehr Zeit widmen. 1842 besuchte er in England Darwin, der sich für Pflanzen an einem sibirischen Fluss interessierte, aber kaum zu Wort kam. Die Arten sah Humboldt als wandelbaren Teil eines Ganzen. Ende 1845 erschien der erste Teil von Kosmos, der vom Himmel, der Erde und dem organischen Leben handelte. Der Forscher erläuterte Zusammenhänge, u.a. beim Klima. Im zweiten Band ging es um die Menschheitsgeschichte mit Natur und Kunst. Humboldt wurde nun auch in Nordamerika berühmt.
Henry David Thoreau lebte in einer Hütte am Walden Pond und erforschte die Natur um ihn herum. Sein 1854 erschienenes Werk Walden war inspiriert von Humboldts Kosmos und der Autor wurde auch von Ralph Waldo Emerson ermutigt. Als die Landwirtschaft in den USA die Natur veränderte, richtete Thoreau nach einem literarischen Flop einen Tagesablauf ein, bei dem er die Natur beobachtete und Notizen in seine Tagebücher schrieb. Dichtung und Tatsachen verschmolzen dabei und die Erde wurde zur „lebendigen Poesie“.
Angesichts der Revolution von 1848 wünschte sich Humboldt ein vereintes Deutschland ohne Blutvergießen. Er geriet zwischen die Fronten und war dann von der Revolution enttäuscht. Er arbeitete nicht nur an einer erweiterten Neuauflage von Ansichten der Natur, sondern veröffentlichte auch 1853 und Ende 1857 zwei weitere Bände von Kosmos. Der dritte Teil handelte von kosmischen Erscheinungen und dem Weltall, der vierte von Geomagnetismus, Vulkanen und Erdbeben. Humboldt war mittlerweile weltberühmt. Er schrieb und erhielt zahllose Briefe und förderte weiterhin den Nachwuchs. 1859 erschien der fünfte Kosmos-Band mit weiteren Erkenntnissen zur Erde und den Pflanzen. F.E. Church präsentierte zu der Zeit das Gemälde The Heart of the Andes. Am 6. Mai 1859 starb Humboldt. Er erhielt ein Staatsbegräbnis und riesige Aufmerksamkeit. Für Friedrich Wilhelm IV. war er „der größte Mann seit der Sintflut“.
George Perkins Marsh war auch von Humboldt inspiriert. Der Mitgründer der Smithsonian Institution las viel, sprach zwanzig Sprachen und bezeichnete sich selbst als „Waldgeschöpf“. Von 1849 bis 1853 war er als Diplomat in Konstantinopel tätig und reiste u.a. nach Ägypten. Er erkannte, dass die maschinelle Landwirtschaft die Natur erschöpft. In seinem Buch Man and Nature (erschienen im Juli 1864) schrieb er über den Raubbau an der Natur und die Artenvernichtung und kritisierte auch den Fleischkonsum. 1861 ernannte Abraham Lincoln ihn zum Gesandten im Königreich Italien. Dort hatte er wenig Zeit für die Natur, warnte aber vor der Wasserverschwendung und „klimatischen Exzessen“. Der Homestead Act von 1862 sei dabei problematisch. Zuvor hatte schon James Madison zum Umweltschutz aufgerufen. Marsch verband nun Humboldts Warnungen bezüglich der Natur und betrachtete die ökologischen Bedenken global. Ernst Haeckel war ebenso von Humboldt beeinflusst. Der Zoologe, der später wegen seiner Rassentheorie in die Kritik geriet, wie er Naturwissenschaft und Kunst verbinden sollte. Er wollte nicht Arzt werden, sondern entdeckte in Sizilien seine Begeisterung für Strahlentierchen, deren wie Kunstwerke aussehende Körper er unter dem Mikroskop betrachtete und zeichnete. Er veröffentlichte 1862 das zweibändige Werk Die Radiolarien. Zu der Zeit las er Darwins Entstehung der Arten und nach dem Tod seiner Frau Anna wurde er zu einem leidenschaftlichen Verfechter der Evolutionstheorie. In Generelle Morphologie der Organismen prägte er den Begriff Ökologie. Nachdem er Darwin in England kennengelernt hatte, unternahm er Forschungsreisen u.a. nach Teneriffa und Lanzarote. Um 1900 inspirierte er mit Kunstformen der Natur Maler und Architekten und in Die Welträtsel (1899) beschrieb er den Monismus, wonach es keine Trennung zwischen organischer und anorganischer Materie gibt.
John Muir war wie Humboldt ein Wanderer und betrieb in Wisconsin botanische Studien. 1864 entzog er sich dem Bürgerkrieg und streifte durchs Land. Im September 1867 begann er einen 1.500 Kilometer langen Fußmarsch von Indianapolis nach Florida und später kam er über Kuba, New York, San Francisco und die Sierra Nevada ins Yosemite Valley. Muir meinte, dass kleinste Organismen ebenso zur Natur gehören wie die Menschen, weshalb er kleine Blüten ebenso betrachtete wie die riesigen Mammutbäume. Er erhielt Besuch von R.W. Emerson. Muir, der göttlichen Einfluss im „Gebirgstempel“ sah, las Bücher von Humboldt und anderen Forschern und verbreitete die Liebe zur Natur. Nach der Heirat mit Louie Strenzel 1880 war er bis zum Tod des Schwiegervaters Gutsverwalter. Als Aktivist kämpfte er für die Einrichtung des Yosemite-Nationalparks, was jedoch erst nach einem Treffen mit Präsident Theodore Roosevelt in der Sierra Nevada vollständig gelang. Er engagierte sich weiter, um die Natur vor dem Menschen zu schützen, auch wenn es wie bei einem Stausee Rückschläge gab. 1911 erfüllte er sich noch den Traum von einer Reise nach Brasilien.

  Kritik

Andrea Wulf beschreibt in diesem Buch das Leben des großen Universalgelehrten Alexander von Humboldt. Das ist eine komplexe Aufgabe, da Humboldt ein äußerst wissbegieriger und aktiver Mensch war. Bekannt wurde er vor allem durch seine Südamerika-Expedition, bei der der Chimborazo im wahrsten Sinne des Wortes der Höhepunkt war, und sein umfassendes Hauptwerk Kosmos. Er interessierte sich für sehr viele verschiedene Themen und wollte die Welt als Ganzes betrachten, indem er Zusammenhänge betrachtete.
Wulf beschreibt Humboldts Lebensgeschichte so lebhaft, wie der Forscher selbst seine Werke verfasste. Dieses Buch kann man nicht mal schnell durchlesen, weil auf jeder Seite, in jedem Kapitel unglaublich viele interessante Informationen stecken. Die Autorin liefert neben Humboldts Leben auch Einblicke in das politische und wirtschaftliche Geschehen dieser Zeit. In den letzten Kapiteln stellt sie einige andere Naturforscher vor, die von Humboldt beeinflusst wurden, darunter der ebenso berühmte Darwin. Damit wird das Buch zu einem ähnlichen umfassenden Werk wie Humboldts eigene Veröffentlichungen.